Gruyère Käse – Le Gruyère AOP aus der Schweiz

von Michael Krauß
Le Gruyère AOP – Schweizer Hartkäse aus Rohmilch

Gruyère Käse – Le Gruyère AOP aus der Schweiz

Gruyère Käse gehört zu den bekanntesten Schweizer Hartkäsesorten. Der geschützte Le Gruyère AOP wird ausschließlich aus naturbelassener Kuhrohmilch hergestellt und reift mindestens fünf Monate.

Je nach Reifegrad reicht sein Geschmack von mild, fein und leicht fruchtig bis kräftig, würzig und komplex. Gruyère lässt sich deshalb sowohl pur auf einer Käseplatte als auch gerieben, zum Überbacken oder für ein Schweizer Käsefondue verwenden.

Anders als häufig angenommen, muss der Schweizer Gruyère übrigens keine großen Löcher besitzen. Kleine Öffnungen können vorkommen, sind bei Le Gruyère AOP aber nicht zwingend erforderlich.

Was ist Gruyère Käse?

Le Gruyère AOP ist ein Schweizer Hartkäse beziehungsweise Käse mit gekochtem und gepresstem Käseteig. Er wird aus Rohmilch hergestellt und besitzt eine feste, geschmeidige Struktur.

Sein Name geht auf die Region Gruyère beziehungsweise Greyerz im Schweizer Kanton Freiburg zurück.

Typisch für Le Gruyère AOP sind:

  • Herstellung aus Kuhrohmilch
  • traditionelle Verarbeitung im Kupferkessel
  • mindestens fünf Monate Reifung
  • feste und geschmeidige Konsistenz
  • milder bis kräftig-würziger Geschmack je nach Alter
  • eine natürlich entwickelte geschmierte Rinde

Woher kommt Le Gruyère AOP?

Die Heimat des Gruyère liegt in der Schweiz. Namensgebend ist das Greyerzerland im Kanton Freiburg.

Das geschützte Produktionsgebiet umfasst heute die Kantone:

  • Freiburg
  • Waadt
  • Neuenburg
  • Jura

Hinzu kommen bestimmte Gebiete und Gemeinden des Kantons Bern.

Nur Käse, der die Vorgaben des Pflichtenheftes erfüllt und innerhalb des festgelegten Gebietes hergestellt wird, darf als Le Gruyère AOP vermarktet werden.

Was bedeutet AOP bei Gruyère?

AOP steht für „Appellation d’Origine Protégée“ und bedeutet geschützte Ursprungsbezeichnung.

Le Gruyère erhielt im Jahr 2001 zunächst die schweizerische kontrollierte Ursprungsbezeichnung AOC. Seit 2011 ist die Bezeichnung auch auf europäischer Ebene als AOP geschützt.

Das Pflichtenheft legt unter anderem fest:

  • wo die Milch erzeugt werden darf
  • wie die Kühe gefüttert werden
  • wie schnell die Milch verarbeitet werden muss
  • dass ausschließlich Rohmilch verwendet wird
  • wie der Käse hergestellt wird
  • wie und wie lange die Laibe reifen müssen

Seit wann gibt es Gruyère Käse?

Die Käseherstellung im Greyerzerland lässt sich bis in das Jahr 1115 zurückverfolgen.

Mittelalterliche Quellen berichten bereits von der Herstellung vollfetter Käse in dieser Region, die bis nach Frankreich und Italien gehandelt wurden.

Im 17. Jahrhundert wurde der Name Gruyère zunehmend öffentlich dokumentiert und der Export nahm deutlich zu.

Damit besitzt Le Gruyère eine Käsetradition von mehreren Jahrhunderten.

Aus welcher Milch wird Gruyère hergestellt?

Le Gruyère AOP wird ausschließlich aus naturbelassener Kuhrohmilch hergestellt.

Die Milch wird nicht pasteurisiert. Die Kühe erhalten im Sommer hauptsächlich frisches Gras und im Winter Heu.

Silage ist bei der Fütterung nicht erlaubt.

Die Milch wird zweimal täglich – morgens und abends – an die jeweilige Käserei geliefert und innerhalb kurzer Zeit verarbeitet.

Für einen einzigen Laib Le Gruyère AOP werden ungefähr 400 Liter Milch benötigt.

Wie wird Le Gruyère AOP hergestellt?

Die Herstellung erfolgt nach einem festgelegten traditionellen Verfahren.

Rohmilch in den Kupferkessel geben

Die Milch der Abend- und Morgenmelkung wird in einem offenen Kupferkessel zusammengeführt.

Der Käser gibt natürliche Bakterienkulturen auf Molkebasis und anschließend Lab hinzu. Dadurch beginnt die Milch zu gerinnen.

Den Käsebruch schneiden

Nach der Gerinnung wird die entstandene Masse mit einer Käseharfe in sehr kleine Körner geschnitten.

Die Bruchkörner erreichen ungefähr die Größe von Weizenkörnern.

Den Käsebruch erhitzen

Der Käsebruch wird anschließend schrittweise auf etwa 57 °C erwärmt.

Durch die Erwärmung gibt der Bruch weitere Molke ab und entwickelt die Grundlage für die später feste Struktur des Gruyère.

Formen und pressen

Käsebruch und Molke werden danach in runde Formen gegeben.

Jeder Laib erhält bereits bei der Herstellung eine Kennzeichnung mit der Bezeichnung Le Gruyère AOP, der Zulassungsnummer der Käserei, dem Herstellungsdatum und einer Kaseinmarke.

Der Käse wird anschließend ungefähr 20 Stunden gepresst.

Salzbad

Am folgenden Tag kommt der Gruyère für ungefähr 24 Stunden in ein Salzbad.

Danach beginnt die eigentliche Reifung.

Wie lange reift Gruyère?

Le Gruyère AOP darf frühestens nach fünf Monaten Reifung verkauft werden.

In der Praxis begegnet man verschiedenen Reifestufen:

  • 5 Monate: frühestmögliche Vermarktung
  • 6 bis 9 Monate: klassischer Gruyère, mild und fein
  • ab 10 Monaten: Gruyère AOP Réserve, kräftiger und aromatischer
  • 18 Monate und länger: besonders kräftige, ausgereifte Varianten

Einige Laibe werden sogar 24 Monate oder länger veredelt.

Je länger der Gruyère reift, desto fester wird seine Konsistenz und desto komplexer entwickelt sich sein Geschmack.

Wie reift Le Gruyère AOP?

Die Gruyère-Laibe reifen auf Holzbrettern in speziellen Reifungskellern.

Während dieser Zeit werden sie regelmäßig gewendet und mit Salzwasser gepflegt.

Dadurch entwickelt sich auf der Oberfläche die sogenannte Morge beziehungsweise Schmiere, die schließlich die natürliche schützende Rinde bildet.

Für die Reifung werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit genau kontrolliert.

Wie schmeckt Gruyère Käse?

Der Geschmack von Gruyère hängt stark von seiner Reifezeit ab.

Ein jüngerer Gruyère schmeckt:

  • mild
  • fein
  • leicht süßlich
  • milchig
  • dezent fruchtig

Mit zunehmender Reifung entwickelt er:

  • mehr Würze
  • kräftigere Röstaromen
  • fruchtige Noten
  • eine festere Struktur
  • einen längeren Nachgeschmack

Gruyère AOP Réserve ab etwa zehn Monaten schmeckt deshalb deutlich intensiver als ein klassischer sechs bis neun Monate gereifter Gruyère.

Hat Gruyère Käse Löcher?

Eine häufige Frage lautet, ob Gruyère die für Schweizer Käse vermeintlich typischen großen Löcher besitzt.

Beim Schweizer Le Gruyère AOP sind große Löcher nicht charakteristisch.

Einige kleine Öffnungen mit ungefähr 4 bis 6 mm Durchmesser können vorhanden sein, sind aber nicht vorgeschrieben.

Das unterscheidet Gruyère beispielsweise deutlich vom Emmentaler.

Gruyère oder Emmentaler – was ist der Unterschied?

Gruyère und Emmentaler sind zwei eigenständige Schweizer Käsesorten.

Ein besonders sichtbarer Unterschied sind die Löcher:

Emmentaler besitzt normalerweise deutlich erkennbare große Löcher. Le Gruyère AOP hat dagegen einen weitgehend geschlossenen Käseteig; kleine Öffnungen können vorkommen.

Auch geschmacklich unterscheiden sich beide Sorten. Gruyère entwickelt mit längerer Reifung ein besonders kräftiges, würziges und komplexes Aroma.

Wie groß ist ein Gruyère-Laib?

Ein klassischer Laib Le Gruyère AOP ist beeindruckend groß.

Typische Maße sind:

  • Durchmesser: etwa 55 bis 65 cm
  • Höhe: etwa 9,5 bis 12 cm
  • Gewicht: etwa 25 bis 40 kg

Ein durchschnittlicher Laib wiegt ungefähr 35 Kilogramm.

Le Gruyère d’Alpage AOP ist etwas kleiner und wiegt häufig ungefähr 25 Kilogramm.

Was ist Gruyère AOP Réserve?

Le Gruyère AOP Réserve besitzt eine längere Reifezeit als die klassische Variante.

Er reift mindestens ungefähr zehn Monate und entwickelt dadurch einen kräftigeren, fruchtigeren und aromatischeren Geschmack.

Auch seine Konsistenz wird fester und leicht brüchiger.

Wer kräftigen Hartkäse mag, dürfte deshalb häufig die Réserve-Variante bevorzugen.

Was ist Le Gruyère d’Alpage AOP?

Le Gruyère d’Alpage AOP wird während der Alpzeit direkt auf den Schweizer Alpen hergestellt.

Die Produktion findet ungefähr von Mitte Mai bis Mitte Oktober statt.

Die Kühe fressen in dieser Zeit Gräser und Kräuter der Alpenweiden. Dadurch kann sich das Aroma abhängig von Höhenlage, Pflanzenvielfalt und Alp unterscheiden.

Traditionell wird Gruyère d’Alpage über einem Holzfeuer erhitzt und in einem Tuch gepresst.

Seine Laibe sind etwas kleiner als beim normalen Gruyère AOP.

Ist Gruyère immer Schweizer Käse?

Hier lohnt sich eine genaue Unterscheidung.

Der in diesem Beitrag beschriebene Käse ist der geschützte Schweizer Le Gruyère AOP.

Daneben existiert in Frankreich ein eigener geschützter Gruyère IGP. Dieser besitzt ein eigenes Herkunftsgebiet und ein eigenes Pflichtenheft.

Ein auffälliger Unterschied: Beim französischen Gruyère IGP sind sichtbare Löcher im Käseteig vorgeschrieben. Beim Schweizer Le Gruyère AOP sind sie dagegen nicht erforderlich.

Wer einen Käse kauft, sollte deshalb auf die vollständige Herkunftsbezeichnung auf der Verpackung achten.

Ist Gruyère laktosefrei?

Le Gruyère AOP wird von der offiziellen Sortenorganisation als laktosefrei ausgewiesen.

Während der Käseherstellung und langen Reifung wird die ursprünglich in der Milch enthaltene Laktose weitgehend abgebaut beziehungsweise mit der Molke entfernt.

Wer aus medizinischen Gründen streng auf Laktose achten muss, sollte dennoch zusätzlich die Kennzeichnung des jeweiligen Produkts beachten.

Wie verwendet man Gruyère?

Gruyère gehört zu den vielseitigsten Hartkäsesorten in der Küche.

Er eignet sich unter anderem:

  • pur auf der Käseplatte
  • gerieben über Pasta
  • für Risotto
  • zum Überbacken
  • für Gratins
  • für Quiche
  • für Croque Monsieur
  • für französische Zwiebelsuppe
  • für Käsefondue

Besonders praktisch ist seine Kombination aus kräftigem Geschmack und guten Schmelzeigenschaften.

Gruyère zum Überbacken

Le Gruyère AOP schmilzt sehr gut und entwickelt beim Überbacken ein kräftiges Käsearoma.

Er passt besonders zu:

  • Kartoffeln
  • Lauch
  • Blumenkohl
  • Zwiebeln
  • Nudelaufläufen
  • Toast

Durch seinen ausgeprägten Geschmack wird häufig weniger Käse benötigt als bei sehr milden Sorten.

Gruyère für Käsefondue

Gruyère ist ein klassischer Käse für Schweizer Fondue.

Besonders bekannt ist die Kombination von Gruyère mit anderen Schweizer Käsesorten. Durch sein gutes Schmelzverhalten sorgt Gruyère für Geschmack und Cremigkeit.

Je reifer der verwendete Gruyère ist, desto kräftiger wird das Fondue.

Gruyère als Reibkäse

Auch gerieben lässt sich Gruyère hervorragend verwenden.

Er passt beispielsweise zu Pasta, Suppen, Gratins und Kartoffelgerichten.

Für einen intensiveren Geschmack eignet sich besonders ein länger gereifter Gruyère AOP Réserve.

Welcher Wein passt zu Gruyère?

Die passende Weinbegleitung hängt vom Reifegrad des Käses ab.

Zu einem milden Gruyère passen trockene und frische Weißweine sehr gut.

Ein länger gereifter Gruyère AOP Réserve verträgt dagegen auch kräftigere und komplexere Weine.

Gut funktionieren beispielsweise:

  • Chasselas
  • Weißburgunder
  • Chardonnay
  • trockene Schweizer Weißweine
  • leichtere Rotweine bei gereiften Varianten

Wie lagert man Gruyère?

Gruyère sollte im Kühlschrank gelagert und nach dem Anschneiden vor dem Austrocknen geschützt werden.

Ideal sind Käsepapier oder eine geeignete Käsebox.

Vor dem Essen würde ich die benötigte Menge ungefähr 20 bis 30 Minuten vorher aus dem Kühlschrank nehmen.

Bei etwas höherer Temperatur wird der Käseteig geschmeidiger und die Aromen kommen deutlich besser zur Geltung.

Gruyère und andere Hartkäse

Wenn du kräftige und lange gereifte Käse magst, findest du auf meinem Blog noch weitere Käseporträts:

Weitere Käsearten, Herstellungsverfahren und Fachbegriffe findest du in meinem Käse Lexikon.

Häufige Fragen zu Gruyère Käse

Was ist Gruyère Käse?

Le Gruyère AOP ist ein Schweizer Hartkäse aus Kuhrohmilch. Er reift mindestens fünf Monate und entwickelt je nach Reifezeit einen milden bis kräftig-würzigen Geschmack.

Woher kommt Gruyère?

Le Gruyère AOP stammt aus der Schweiz. Seine historische Heimat ist das Greyerzerland im Kanton Freiburg.

Ist Gruyère ein Rohmilchkäse?

Ja. Le Gruyère AOP wird ausschließlich aus nicht pasteurisierter Kuhrohmilch hergestellt.

Wie lange reift Gruyère?

Gruyère AOP darf frühestens nach fünf Monaten verkauft werden. Klassischer Gruyère reift häufig sechs bis neun Monate, Gruyère AOP Réserve mindestens etwa zehn Monate. Einige Laibe reifen 18 oder sogar 24 Monate.

Wie schmeckt Gruyère?

Junger Gruyère schmeckt mild, fein und leicht fruchtig. Mit zunehmender Reifung wird er kräftiger, würziger, komplexer und etwas fester.

Hat Gruyère Löcher?

Beim Schweizer Le Gruyère AOP können kleine Öffnungen vorkommen, sie sind jedoch nicht vorgeschrieben. Große Löcher wie beim Emmentaler sind nicht typisch.

Ist Gruyère laktosefrei?

Le Gruyère AOP wird von der offiziellen Sortenorganisation als laktosefrei ausgewiesen.

Kann man Gruyère zum Überbacken verwenden?

Ja. Gruyère schmilzt sehr gut und eignet sich für Gratins, Aufläufe, Zwiebelsuppe, Quiche, Croque und zahlreiche Kartoffelgerichte.

Was ist Gruyère AOP Réserve?

Gruyère AOP Réserve ist länger gereifter Gruyère mit mindestens ungefähr zehn Monaten Reifezeit. Er schmeckt kräftiger und aromatischer und besitzt eine festere Struktur.

Was ist der Unterschied zwischen Gruyère und Emmentaler?

Gruyère besitzt normalerweise keine großen Löcher und entwickelt mit zunehmender Reife einen kräftigeren und komplexeren Geschmack. Emmentaler ist besonders an seinen großen typischen Löchern zu erkennen.

Mein Fazit zu Le Gruyère AOP

Le Gruyère AOP gehört für mich zu den vielseitigsten Schweizer Käsesorten. Jung ist er angenehm mild und fein, während ein lange gereifter Gruyère deutlich mehr Würze und Komplexität entwickelt.

Besonders interessant finde ich, dass er sowohl pur als auch in der warmen Küche hervorragend funktioniert. Ob Käseplatte, Fondue, Gratins, Zwiebelsuppe oder einfach frisch gerieben über ein Gericht – Gruyère lässt sich ausgesprochen vielseitig einsetzen.

Wer den Käse noch nicht genauer kennt, würde ich zuerst einen klassischen sechs bis neun Monate gereiften Gruyère probieren und anschließend direkt mit einem Gruyère AOP Réserve vergleichen.

Quellen und weiterführende Informationen

Für die Aktualisierung dieses Beitrags wurden die aktuellen Informationen der Interprofession du Gruyère sowie die offiziellen Angaben zur geschützten Ursprungsbezeichnung Le Gruyère AOP verwendet. Für die Abgrenzung zum französischen Gruyère wurden zusätzlich die Informationen des französischen INAO berücksichtigt.

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